Alle Artikel von Walter Reschreiter

Freisinger, Georg

Foto Mauer der Erinnerung

Georg Freisinger wurde am 18.1.1908 in Hallein geboren. Laut Meldeschein war er ledig und sein Beruf Hilfsarbeiter (H.A.), andere Quellen geben Maurer an. Im Februar 1937 ging er von Österreich aus über Lyon nach Spanien zu den Internationalen Brigaden und schloß sich dem XIII. IB/8. Baon an. (siehe Bahnticket Hallein – Feldkirch). Am 13.4.1937 geriet er bei Pozoblanco in Franco-Gefangenschaft und wurde ins Provinzgefängnis von Córdoba überführt. Im Oktober dieses Jahres erkannte die Bezirkshauptmannschaft Hallein Georg Freisberger die österreichische Staatsbürgerschaft ab. Am 22.1.1938 verurteilte ihn ein Kriegsgericht in Córdoba wegen des Delikts der Rebellion zum Tode. Einige Wochen später, genau am 7.3.1938 um Mitternacht erschoß ihn ein Franco-Peloton an der Mauer des Friedhofs Nuestra Señora de la Salud in Córdoba.

Talal, Josef

Ein Krankensaal in der Anstalt "Am Steinhof" um 1938
Ein Krankensaal in der Anstalt „Am Steinhof“ um 1938

Josef Talal erblickte am 13. Mai 1891 im bessarabischen Skulen, dem heutigen Skulyany (Moldawien), als Kind jüdischer Eltern das Licht der Welt. Er kam als Kaufmann nach Hallein und heiratete hier sein Frau Anna. Am Meldeschein ist vermerkt „katholisch verheiratet“. Dort findet sich auch die handschriftliche Notiz, dass Josef Talal als Jude am 15.12.1939 von seiner Familie getrennt und von Hallein nach Wien abgeschoben wurde. Von dort führte sein Weg über die Heil- und Pflegeanstalt „Am Steinhof“ in die Tötungsanstalt Schloss Hartheim bei Linz. Im Ausgangsbuch findet sich der Eintrag 29.05.1941. Der genaue Todeszeitpunkt ist nicht bekannt. Zur Täuschung der Angehörigen wurden Todesart und -ort  in den Sterbedokumenten systematisch verfälscht. Die Totenscheine wurden von einem „Standesamt Cholm, Post Lublin“ ausgestellt, tatsächlich wurden sie in der Berliner „T4“-Zentrale fabriziert, mit Kurier nach Lublin gebracht und dort zur Post gegeben.

Schifferer, Karl

Buchenwald
Konzentrationslager Buchenwald

Von  Karl Schifferer (irrtümlich auch Carl Schieferer) stehen insgesamt nur 3 Dokumente zur Verfügung.  Aus diesen wenigen Daten ergibt sich folgende fragmentarische Biografie:

  1. Meldeschein der Stadt Hallein:
    Geburtsdatum: 7.VIII.1909
    Charakter oder Beschäftigung: Kupferschmied
    Geburtsort: Hallein
    Religion, Stand: r.k. , ledig
    Wohnadresse: Griesgasse 272 (heute Metzgergasse 5)
    (Randnotiz) am 4.1.1941 im K.Z.L. Buchenwald verstorben 
  2. Eingangsbuch Konzentrationslager Dachau:
    Häftlings-Nr.  20505 | Zugangsdatum: 11.10.1940 | Art: PSV* | Beruf: Spengler
    Überstellung in das KZ Buchenwald am 11.12.1940
    *)*) PSV – Polizeiliche Sicherungsverwahrung. Ebenfalls durch die Kriminalpolizei  Die Einweisung dieser Häftlinge, im Lagerjargon „Berufsverbrecher“ genannt, erfolgte durch die Kriminalpolizei  Hierbei handelte es sich um Personen, die in der Vergangenheit mit dem Strafgesetz in Konflikt gekommen waren und zumindest zwei Vorstrafen mit jeweils mindestens sechs Monaten Haftstrafe aufwiesen. Die gesetzliche Basis für diese Lagereinweisungen bildete das sogenannte „Gewohnheitsverbrechergesetz“, das es ermöglichte, neben der gerichtlichen Strafe zusätzlich Sicherungsverwahrung zu verhängen, „wenn die öffentliche Sicherheit es erforderte“.
  3. Todesmeldung KZ Buchenwald vom 4.1.1941:
    Betrifft: Tod des BV * Karl Schifferer, Nr. 2993
    siehe Scan:
    *) BV stand  im Lagerjargon für Berufsverbrecher
    Todesmeldung

Molter, Maria

Schloss Schernberg
Schloss Schernberg

Über Maria Molter, 1878 in Hallein geboren, sind nur wenige Fakten bekannt. Sie war röm.-katholisch, Lehrerswitwe und wohnte in Hallein am Bürgerspitalsplatz. Am 21.10.1938 kam sie zur Pflege in die Versorgungsanstalt der Barmherzigen Schwestern im Schloss Schernberg bei Schwarzach. Als Diagnose findet sich im Eingangsbuch der Vermerk „Altersidiotie“. Gemeinsam mit 7 weiteren Pfleglingen wurde sie am 20. Mai 1941 von Schernberg in die Tötungsanstalt Schloss Hartheim abtransportiert. Die Oberin der Barmherzigen Schwestern, Anna Bertha Königsegg, stemmte sich davor noch vehement gegen den Abtransport, da sie bereits wusste, wohin die Reise geht. „Es ist nunmehr ein offenes Geheimnis, welches Los diese abtransportierten Kranken erwartet, denn nur zu oft langt kurz nach ihrer Überführung die Todesnachricht vieler derselben ein,“ ersuchte sie Gauleiter Rainer eindringlich, davon Abstand zu nehmen  Für den Fall des Abtransportes der Kranken lehnte die Oberin jegliche Mithilfe entschieden ab. Daraufhin wurde Sr. Anna Bertha Mitte April  1941 verhaftet. Während ihrer Abwesenheit wurden insgesamt 123 Pfleglinge von Schernberg unter Protesten der Schwestern in zwei Transporten in die Vernichtungsanstalt Hartheim deportiert.

 

 

Waldner, Anna

Zur Person von Anna Waldner wissen wir leider nur sehr wenig. Weder in der
Christian-Doppler-Klinik in Salzburg, noch im Bundesarchiv in Berlin sind
Krankenakten erhalten geblieben. Geboren wurde sie am 19.02.1908 in Marburg. Im Juni 1938 kam sie mit der Diagnose Schizophrenie in der Landes Heil- und Pflegeanstalt Salzburg. Im Aufnahmebuch ist vermerkt, dass  sie in Hallein am Unteren Markt Nr. 2 (80) wohnt, ledig und katholisch ist. Am 25. Mai 1941 wurde Anna Waldner im Rahmen der Aktion T4
 gemeinsam mit anderen Patientinnen in die Tötungsanstalt Schloss Hartheim bei Linz abtransportiert und dort vergast.

Alte Ansicht des Hauses Unterer Markt 2

Schmerold, Karoline

 

 

 

 

Bus_Hartheim_Foto Niedernhart Prozess

Karoline Schmerold wurde am 17.04.1878 in Hallein geboren. Sie war sogenannte „Armenversorgte“ und lebte im Armenhaus der Schulschwestern in der Pfarrgasse. Im Oktober 1935 wurde sie zum wiederholten Male in die Landes Heil- und Pflegeanstalt in Salzbug-Lehen eingewiesen. Die Diagnose lautete „Manisch-Depressives Irresein“. Im Aufnahmebuch ist verzeichnet, dass ihr Familienstand „ledig“ und ihr Glaubensbekenntnis „römisch- katholisch“ war, ihr  Beruf ist nicht angeführt.  Karoline Schmerold wird die Anstalt bis zum Abtransport mit den berüchtigten grauen Bussen in die Tötungsanstalt Schloss Hartheim am 16.04.1941 nicht mehr verlassen. Mit den anderen Patientinnen der Frauenabteilung stirbt sie in den als Duschraum getarnten Gastkammern durch das  farb-, geruch- und geschmacklose hochgiftige Kohlenmonoxid.

 

Zillner, Franz

Prisoner's_barracks_dachau
Gefangenenbaracken im KZ Dachau

Im Aufnahmebuch des Konzentrationslagers Dachau bei München ist mit einem dicken Kreuz vermerkt, dass Franz Zillner am 25. Februar 1941 verstorben ist.  Als „Zugangsdatum“ haben die KZ-Schreiber den 17. November 1940 festgehalten. An diesem Tag wurde der in Hallein am 24. Mai 1891 geborene Vater dreier Kinder als „Schutzhäftling“ mit der Gefangenen-Nummer 19189 registriert. Weitere Eintragungen sind „Familienstand: verheiratet | Religion: r.k. | Beruf: Kellner | Geburtsort: Hallein, Salzbg.

Mit ein Grund für die Internierung in Dachau  könnte ein Gerichtsurteil des Landesgerichtes Salzburg vom 4. Jänner 1940 sein.  Der Vorsitzende des Sondergerichtes, Dr. Meyer, verurteilte Franz Zillner wegen eines Vergehens gegen §2, Zl. 1 des Heimtückegesetzes und § 134  :a RStG zu sechs Monaten Gefängnis. In der schriftlichen Begründung hieß es u.a.: „Am 2.9.1939 befand sich der Beschuldigte im Gastgarten der Brauerei Kaltenhausen, stänkerte die dort anwesenden Soldaten an und bezeichnete sie als Systemschergen und Hungerleider. Als Unteroffizier Johann Maierhofer ihn aus dem Gastgarten entfernen wollte, schimpfte er weiter und sagte: Von euch Systemschergen vom jetzigen Regime lasse ich mir überhaupt nichts gefallen, ihr könnt mich alle am Arsch lecken.
(…) In derÄußerung ist nicht nur eine öffentliche Beschimpfung der Deutschen Wehrmacht zu erblicken, bei der die Beschimpfungen so allgemein gehalten waren, dass daraus hervorgeht, dass der Angeschuldigte. die anwesenden Soldaten als Repräsentanten der ganzen Wehrmacht im Auge hatte, sondern auch eine öffentliche gehässige und hetzerische Auslassung über leitende Persönlichkeiten des Staates und ihrer Anordnungen und die von ihnen geschaffenen Einrichtungen zu erblicken, die geeignet ist, das Vertrauen des Volkes zur politischen Führung zu untergraben, denn es wird darin die Behauptung aufgestellt, dass das jetzige Regime, also die deutsche Regierung, Soldaten als Schergen verwende. Unter Schergen sind aber solche obrigkeitliche Organe zu verstehen, welche zu ungerechten Unterdrückung der Bevölkerung verwendet werden. Es ist daher nicht nur der Tatbestand nach § 134 :aRStG. sondern auch nach § 2/1 Heimtückegesetz gegeben.“

Im Urteil findet sich auch ein kurzer biografischer Abriss:
Franz Zillner kam als Sohn eines Salinenarbeiters in Hallein zur Welt und besuchte dort die Volksschule. Sein Vater starb in jungen Jahren. Bis zu seinem 11. Lebensjahr wurde er von der Mutter erzogen, aber dann von dieser verstossen. Von da an lebte er Jahre hindurch bei verschiedenen Bauern und verdiente sich als Hilfsarbeiter sein Brot. Er arbeitete auch einmal kurz als Kellnerlehrling, hatte aber nie festen Wohnsitz, sondern zog von einem Ort zum anderen. Aus dieser unsteten Zeit stammen seine vielen Vorstrafen. Erst nach seiner Verehelichung sei er, wie er angibt, ein anderer Mensch geworden. Er habe sich seit dem Jahre 1931 von jeder Straftat ferngehalten. Bis zum Jahre 1928 sei er Sozialdemokrat gewesen, habe sich aber seither politisch überhaupt nicht betätigt und habe auch gar kein Verständnis für Politik. Er habe gegen die heutige Regierung nichts einzuwenden. Sein ältester Sohn sei der H.J. und die beiden jüngeren dem Jungvolk beigetreten. Er habe sich in der Verbotszeit auch für manchen SA-Mann eingesetzt.“