Euthanasieopfer

Molter, Maria

Schloss Schernberg
Schloss Schernberg

Über Maria Molter, 1878 in Hallein geboren, sind nur wenige Fakten bekannt. Sie war röm.-katholisch, Lehrerswitwe und wohnte in Hallein am Bürgerspitalsplatz. Am 21.10.1938 kam sie zur Pflege in die Versorgungsanstalt der Barmherzigen Schwestern im Schloss Schernberg bei Schwarzach. Als Diagnose findet sich im Eingangsbuch der Vermerk „Altersidiotie“. Gemeinsam mit 7 weiteren Pfleglingen wurde sie am 20. Mai 1941 von Schernberg in die Tötungsanstalt Schloss Hartheim abtransportiert. Die Oberin der Barmherzigen Schwestern, Anna Bertha Königsegg, stemmte sich davor noch vehement gegen den Abtransport, da sie bereits wusste, wohin die Reise geht. „Es ist nunmehr ein offenes Geheimnis, welches Los diese abtransportierten Kranken erwartet, denn nur zu oft langt kurz nach ihrer Überführung die Todesnachricht vieler derselben ein,“ ersuchte sie Gauleiter Rainer eindringlich, davon Abstand zu nehmen  Für den Fall des Abtransportes der Kranken lehnte die Oberin jegliche Mithilfe entschieden ab. Daraufhin wurde Sr. Anna Bertha Mitte April  1941 verhaftet. Während ihrer Abwesenheit wurden insgesamt 123 Pfleglinge von Schernberg unter Protesten der Schwestern in zwei Transporten in die Vernichtungsanstalt Hartheim deportiert.

 

 

Waldner, Anna

Zur Person von Anna Waldner wissen wir leider nur sehr wenig. Weder in der
Christian-Doppler-Klinik in Salzburg, noch im Bundesarchiv in Berlin sind
Krankenakten erhalten geblieben. Geboren wurde sie am 19.02.1908 in Marburg. Im Juni 1938 kam sie mit der Diagnose Schizophrenie in der Landes Heil- und Pflegeanstalt Salzburg. Im Aufnahmebuch ist vermerkt, dass  sie in Hallein am Unteren Markt Nr. 2 (80) wohnt, ledig und katholisch ist. Am 25. Mai 1941 wurde Anna Waldner im Rahmen der Aktion T4
 gemeinsam mit anderen Patientinnen in die Tötungsanstalt Schloss Hartheim bei Linz abtransportiert und dort vergast.

Alte Ansicht des Hauses Unterer Markt 2

Schmerold, Karoline

 

 

 

 

Bus_Hartheim_Foto Niedernhart Prozess

Karoline Schmerold wurde am 17.04.1878 in Hallein geboren. Sie war sogenannte „Armenversorgte“ und lebte im Armenhaus der Schulschwestern in der Pfarrgasse. Im Oktober 1935 wurde sie zum wiederholten Male in die Landes Heil- und Pflegeanstalt in Salzbug-Lehen eingewiesen. Die Diagnose lautete „Manisch-Depressives Irresein“. Im Aufnahmebuch ist verzeichnet, dass ihr Familienstand „ledig“ und ihr Glaubensbekenntnis „römisch- katholisch“ war, ihr  Beruf ist nicht angeführt.  Karoline Schmerold wird die Anstalt bis zum Abtransport mit den berüchtigten grauen Bussen in die Tötungsanstalt Schloss Hartheim am 16.04.1941 nicht mehr verlassen. Mit den anderen Patientinnen der Frauenabteilung stirbt sie in den als Duschraum getarnten Gastkammern durch das  farb-, geruch- und geschmacklose hochgiftige Kohlenmonoxid.

 

Untersalmberger, Anna

Schloss Hartheim
Schloss Hartheim

Anna Untersalmberger kommt am 7. Juli 1888 in Wels zur Welt. Ihr Geburtsname ist unbekannt. Sie heiratete den aus dem Pinzgau stammenden Brauer Franz Untersalmberger. Der Ehe entsprangen 2 Mädchen, 1918 Anna Zita, 1919 Aloisia. Da  Franz Untersalmberger vermutlich Arbeit in der Kaltenhausener Brauerei fand, zog die Familie aus Grieskirchen nach Hallein. Anfang August 1931 mieteten sie in der Nähe  der Brauerei eine Wohnung in der Reichsstraße Nr. 3, heute Salzburger Straße Nr. 14, unmittelbar neben der Leprosenkapelle. Am Meldeschein wurde vermerkt, dass Anna Untersalmberger Anfang 1936 nach „Salzburg-Lehen“ kam. In den Aufnahmebüchern der Salzburger Landesheil- und Pflegeanstalt wurde dazu die Diagnose „Progressive Paralyse“ vermerkt. Die Progressive Paralyse ist eine Erscheinungsform der Neurosyphilis, die als Psychose mit neurologischen Ausfällen verläuft. Die Progressive Paralyse war bis zur Entdeckung des Penicillins  ein häufiges Krankheitsbild in psychiatrischen Anstalten. Eine Krankengeschichte von Anna Untersalmberger ist weder in Bundesarchiv Berlin noch im Landesarchiv Salzburg erhalten geblieben. Gesichert ist, dass sie beim 3. Transport aus der Salzburger Anstalt am 18. April 1941 gemeinsam mit 27 weiteren Frauen durch „die Gemeinnützige Krankentransportgesellschaft, Berlin W 9, Potsdamerplatztransferiert“ wurde. Ziel war die Vernichtungsanstalt Schloss Hartheim in der Nähe von Linz.

Prähauser, Johanna

Schloss Schernberg bei Schwarzach
Schloss Schernberg bei Schwarzach

Ziel des Projektes Stolpersteine ist es, die Namen der NS-Opfer vor dem Vergessen zu bewahren. Im Falle von Johanna Prähauser trifft das besonders zu, kennen wir doch außer dem Namen nur ein paar wenige Fakten. Johanna Prähauser kam am 24. Mai 1875 in Hallein zur Welt, ihre Konfession war röm.-katholisch, sie war ledig und arbeitete als Magd. Am 08.02.1937 wurde sie von der Salzburger Landesheil- und Pflegeanstalt in die Versorgungsanstalt Schloss Schernberg  bei Schwarzach überstellt. Im Eingangsbuch finden sich die Diagnosen Schizophrenie und Demenz, eine konkrete Adresse in Hallein wurde nicht angeführt. Da sich auch im Halleiner Melderegister kein Eintrag zu Johanna Prähauser findet, werden wir für ihren Stolperstein vorläufig einen besonderen Platz suchen. Belegt ist, dass sie am 21.04.1941 mit mehr als hundert weiteren Pfleglingen von Schernberg abtransportiert und anschließend in der Tötungsanstalt Schloß Hartheim ermordet wurde. Die Tötungen erfolgten mit dem farb-, geruch- und geschmacklosen giftigen Gas Kohlenmonoxid, das unter ärztlicher Aufsicht in als Duschräume getarnte Gaskammern eingeleitet wurde.

Im Bericht einer Schwester aus Schernberg  heißt es: „In den frühen Morgenstunden des 21.4.1941 kam die Gestapo mit vielen Helfern und Helferinnen. Beim Ankleiden und Abtransport der Patienten spielten sich erschütternde Szenen ab, Widerspenstige wurden niedergespritzt. Nach einer Liste wurden 74 Frauen und 41 Männer ausgesucht. Die Gehfähigen trieb man den Berg hinunter, die anderen wurden in kleine Autos gesteckt; denn die großen, schwarz verhängten Autobusse waren den steilen Weg zum Schloss nicht hinaufgekommen und warteten in Schwarzach. Beim Umladen wurden wieder viele Patienten niedergespritzt; es wurde vermutet, dass viele die Fahrt nach Hartheim bereits tot antraten.“