Nussdorfer, Ferdinand

Bus zum Abtransport der Patienten
Bus zum Abtransport der Patienten

Ferdinand Nussdorfer , geb. am 7. März 1909 in Frankenmarkt, Oberösterreich, war von Beruf Bäckergehilfe. Im April 1935 wurde er wegen „Tobsuchtsanfällen“ und „Wandertrieb“ auf Ersuchen des Vaters mit der Rettung in die Landesheil- und Pflegeanstalt Salzburg eingeliefert. In seinem sprengelärztlichen Zeugnis merkte Dr. Robert Dirnberger an, „dass Ferdinand Nussdorfer, der bereits in der Landesheilanstalt für G.K. in Pflege stand, neuerlich anstaltsbedürftig geworden ist. Er leidet an krankhaftem Wandertrieb mit zeitweisen Tobsuchtsanfällen, in welchen er gegen die Umgebung aggressiv wird. Derzeit gräbt er vor dem Haus eine große Grube aus, damit er den „Staub“ aus der Bäckerei hineinbringen kann. Er ist wieder sehr unruhig, herrisch, sehr gereizt, vollkommen unbeeinflussbar und bedroht bei geringstem Widersprechen seine Umgebung. Seit 8 Tagen schläft er nicht mehr (..)“  Während der Fahrt und auch bei der Aufnahme war der 1,67 m große, ledige Mann ruhig und orientiert. Er konnte sich an die beiden vorhergehenden Einweisungen erinnern und erkannte Ärzte und Pflegepersonal wieder. Ferdinand Nussdorfer gab im Aufnahmegespräch an, „dass er seit seiner letzten Entlassung immer gearbeitet hat und auch am Vortag noch zur Arbeit gegangen war. Es sei nicht zutreffend, dass er aggressiv gegen seine Umgebung geworden sei. Er gibt zu, gereizt gewesen zu sein, habe aber niemand bedroht. Er konnte sich auch nicht  den Vorwurf des Wandertriebes erklären, da er nur mit Einwilligung des Vaters Radtouren unternommen hätte. Im Übrigen fühle er sich vollkommen gesund.“ Ferdinand Nussdorfer konnte die Salzburger Heilanstalt in den kommenden Jahren nicht mehr verlassen. Über den weiteren Verlauf der Behandlung liegen keine Unterlagen vor. Bei der im Jahr 1940 vom Erbarzt Dr. Heinrich Wolfer durchgeführten erbbiologischen Erfassung lautete die Diagnose „Schizophrenie (hebephrene Form?)“.  Am 17. April 1941 wurde er mit 82 anderen Patienten nach Hartheim abtransportiert. Nur einer der Männer, Georg Mayrhofer, ein ehemaliger Offizier des Österreichischen Bundesheeres, konnte später nach Salzburg zurückkehren. Alle anderen wurden in der Tötungsanstalt in als Duschkabinen getarnten Gaskammern ermordet.