Zillner, Franz

Prisoner's_barracks_dachau
Gefangenenbaracken im KZ Dachau

Im Aufnahmebuch des Konzentrationslagers Dachau bei München ist mit einem dicken Kreuz vermerkt, dass Franz Zillner am 25. Februar 1941 verstorben ist.  Als „Zugangsdatum“ haben die KZ-Schreiber den 17. November 1940 festgehalten. An diesem Tag wurde der in Hallein am 24. Mai 1891 geborene Vater dreier Kinder als „Schutzhäftling“ mit der Gefangenen-Nummer 19189 registriert. Weitere Eintragungen sind „Familienstand: verheiratet | Religion: r.k. | Beruf: Kellner | Geburtsort: Hallein, Salzbg.

Mit ein Grund für die Internierung in Dachau  könnte ein Gerichtsurteil des Landesgerichtes Salzburg vom 4. Jänner 1940 sein.  Der Vorsitzende des Sondergerichtes, Dr. Meyer, verurteilte Franz Zillner wegen eines Vergehens gegen §2, Zl. 1 des Heimtückegesetzes und § 134  :a RStG zu sechs Monaten Gefängnis. In der schriftlichen Begründung hieß es u.a.: „Am 2.9.1939 befand sich der Beschuldigte im Gastgarten der Brauerei Kaltenhausen, stänkerte die dort anwesenden Soldaten an und bezeichnete sie als Systemschergen und Hungerleider. Als Unteroffizier Johann Maierhofer ihn aus dem Gastgarten entfernen wollte, schimpfte er weiter und sagte: Von euch Systemschergen vom jetzigen Regime lasse ich mir überhaupt nichts gefallen, ihr könnt mich alle am Arsch lecken.
(…) In derÄußerung ist nicht nur eine öffentliche Beschimpfung der Deutschen Wehrmacht zu erblicken, bei der die Beschimpfungen so allgemein gehalten waren, dass daraus hervorgeht, dass der Angeschuldigte. die anwesenden Soldaten als Repräsentanten der ganzen Wehrmacht im Auge hatte, sondern auch eine öffentliche gehässige und hetzerische Auslassung über leitende Persönlichkeiten des Staates und ihrer Anordnungen und die von ihnen geschaffenen Einrichtungen zu erblicken, die geeignet ist, das Vertrauen des Volkes zur politischen Führung zu untergraben, denn es wird darin die Behauptung aufgestellt, dass das jetzige Regime, also die deutsche Regierung, Soldaten als Schergen verwende. Unter Schergen sind aber solche obrigkeitliche Organe zu verstehen, welche zu ungerechten Unterdrückung der Bevölkerung verwendet werden. Es ist daher nicht nur der Tatbestand nach § 134 :aRStG. sondern auch nach § 2/1 Heimtückegesetz gegeben.“

Im Urteil findet sich auch ein kurzer biografischer Abriss:
Franz Zillner kam als Sohn eines Salinenarbeiters in Hallein zur Welt und besuchte dort die Volksschule. Sein Vater starb in jungen Jahren. Bis zu seinem 11. Lebensjahr wurde er von der Mutter erzogen, aber dann von dieser verstossen. Von da an lebte er Jahre hindurch bei verschiedenen Bauern und verdiente sich als Hilfsarbeiter sein Brot. Er arbeitete auch einmal kurz als Kellnerlehrling, hatte aber nie festen Wohnsitz, sondern zog von einem Ort zum anderen. Aus dieser unsteten Zeit stammen seine vielen Vorstrafen. Erst nach seiner Verehelichung sei er, wie er angibt, ein anderer Mensch geworden. Er habe sich seit dem Jahre 1931 von jeder Straftat ferngehalten. Bis zum Jahre 1928 sei er Sozialdemokrat gewesen, habe sich aber seither politisch überhaupt nicht betätigt und habe auch gar kein Verständnis für Politik. Er habe gegen die heutige Regierung nichts einzuwenden. Sein ältester Sohn sei der H.J. und die beiden jüngeren dem Jungvolk beigetreten. Er habe sich in der Verbotszeit auch für manchen SA-Mann eingesetzt.“