Aspöck, Richard

Richard Aspöck
Richard Aspöck

Richard Aspöck wurde am 14. Juni 1919 als jüngstes Kind einer Notarsfamilie in Salzburg geboren und wuchs in Radstadt und hauptsächlich in Hallein auf. Eine seiner drei Schwestern starb mit 5 Jahren an den Folgen der „Spanischen Grippe“, einer weltweiten Pandemie. Auch Richard Aspöck erkrankte schwer. Laut einem ärztlichen Gutachten war er seither „geistesschwach, schwerhörig, am rechten Ohr taub“ und litt „an einer Sprechstörung, die mit Gesichtszerrungen verbunden war“ (Beschluss des Amtsgerichtes Urfahr vom 21. September 1940, Quelle: privat). Über seine Kindheit und  Schullaufbahn ist wenig bekannt. Vom Oktober 1925 bis zum August 1928 war Richard Aspöck in der Caritasanstalt St. Anton in Bruck an der Glocknerstrasse untergebracht. Im Austrittsvermerk steht:„Wegen Gesundheitsrücksichten bei den Eltern geblieben“ (Quelle: Caritasanstalt St. Anton). Später erhielt er aufgrund seiner Beeinträchtigungen Privatunterricht. Nach dem Tod der Eltern wurde er im Mai 1939 in die Evangelische Diakonissen-Anstalt Gallneukirchen im Haus „Friedenshort“ aufgenommen und in der Gärtnerei beschäftigt. Im darauf folgenden Winter war Richard Aspöck, wie auf seiner Karteikarte vermerkt wurde, für ein paar Wochen bei seiner Schwester Hilda in Hallein auf Urlaub. Sie war seine wichtigste Bezugsperson und wurde im September 1940 vom Amtsgericht Urfahr auch zu seinem Vormund bestellt. Das dem Beschluss zugrunde liegende Gutachten ergab, dass zwar nach ärztlicher Sicht eine beschränkte Entmündigung angezeigt war, „die Anhaltung in einer geschlossenen Anstalt aber nicht in Betracht kommt, wohl aber ständige Aufsicht und Führung notwendig sei. Dieser wird er in einer Anstalt wie der, wo er sich gegenwärtig aufhalte, am besten teilhaft. Eine Änderung im Aufenthalt ist daher nicht erforderlich“ (Beschluss des Amtsgerichtes Urfahr vom 21. September 1940, Quelle: privat). Trotzdem verfügte der Gaufürsorgeverband Hallein als Kostenträger, „dass Richard Aspöck […] in das Versorgungshaus Kuchl überführt wird, weil die Kosten die der öffentlichen Fürsorge dadurch entstehen, gegenüber der Anstalt Gallneukirchen wesentlich niedriger sind.“ (Bescheid des Bezirksfürsorgeverbandes Hallein, Quelle: privat). Um die Verlegung zu verhindern, erklärte sich Hilde Aspöck bereit, „persönlich für alle Bedürfnisse ihres Bruders aufzukommen und keinerlei öffentliche Mittel in Anspruch zu nehmen“ (Schreiben an das Kuratelgericht Linz-Land, Quelle: privat). Doch schon wenige Monate später wurde Richard Aspöck aus Gallneukirchen weggebracht. Der letzte, in rot geschriebene Eintrag auf seiner Karteikarte  vom 13. Jänner 1941 lautet „Abgegangen: nach unbekannt“. Gemeinsam mit anderen Pfleglingen aus dem Diakoniewerk wurde er in die Tötungsanstalt Schloss Hartheim transportiert und dort ermordet. Genau eine Woche später erhielt Hilde Aspöck die Postkarte mit der Nachricht von der angeblichen Verlegung ihres Bruders in die Heilanstalt Sonnenstein bei Pirna. Sie setzte sich umgehend mit der Anstalt in Verbindung und erhielt die Auskunft, dass „das Befinden des Patienten zufriedenstellend sei“. Die offizielle Sterbeurkunde weist aus, dass Richard Aspöck noch in der folgenden Nacht an einer schweren Ruhr gestorben sein soll. Die aus Pirna übermittelte Urne wurde Ende Februar am Halleiner Friedhof beigesetzt.